„Gewinner der Eurokrise“

19April

„Gewinner der Eurokrise“

Immobilienverband erlebt Ansturm auf Eigentumswohnungen in Ostwestfalen-Lippe

Bielefeld. In den großen Städten Ostwestfalen-Lippes sind Immobilien gefragt wie nie – in den ländlichen Kreisen wird es immer schwerer, Häuser und Wohnungen an den Mann zu bringen: Diesen gegenläufigen Trend hat der Immobilienverband Deutschland (IVD) beobachtet, der derzeit einen regelrechten Run auf Eigentumswohnungen verzeichnet.

„Immobilien sind die Gewinner der Eurokrise“, sagte Ludger Kaup, IVD-Makler aus Gütersloh, bei einem Pressegespräch. Mit der Entwicklung 2011 sei der Verband sehr zufrieden. „Auch 2012 schauen wir überaus positiv entgegen“, sagte Kaup, der mit seinen Makler-Kollegen Jürgen Stracke, Brigitte Scheele (beide Bielefeld) und Franz-Josef Stratmann (Paderborn) einen anhaltenden Drang der Menschen in die Innenstädte ausgemacht hat.

Wegender Eurokrise seien Eigentumswohnungen als Anlageobjekt und Altersvorsorge wiederentdeckt worden. „2011 haben wir in Paderborn 60 Prozent mehr Eigentumswohnungen verkauft als 2010“, berichtet Stratmann. In Bielefeld, Gütersloh und Paderborn stünden Ein- bis Dreizimmerwohnungen hoch im Kurs. Dabei würden zunehmend hochpreisige Immobilien nach dem Motto „Geld spielt keine Rolle“ nachgefragt. „Das war vor wenigen Jahren noch undenkbar“, sagt Stratmann, erstaunt über diese Entwicklung. Während sich die Immobilienpreise in OWL unterschiedlich entwickelten – in Gütersloh und Bielefeld blieben sie für Eigenheime in mittleren Lagen konstant, in Herford sanken sie um acht und in Detmold stiegen sie um elf Prozent – zogen in vielen Städten die Mieten an. In Paderborn kletterten sie in mittelguten und guten Lagen um vier, in Bielefeld um drei bis zehn und in Detmold sogar um vier bis vierzehn Prozent.

Während in den Innenstädten laut Stratmann Wohnungen „an allen Ecken und Enden fehlen“, gestalte sich der Markt in den Randbereichen der großen Städte und in den ländlichen Kreisen wie Lippe und Höxter sehr schwierig. „Früher war der Kotten auf dem Land gefragt, heute ist es die Mobilität in den großen Städten, die die Menschen anlockt“, sagt Kaup.

Aber auch bei älteren Immobilien aus den 1950er und 1960er Jahren, bei denen der Käufer noch in die energetische Sanierung investieren müsse, sei die Zurückhaltung sehr groß. „Die Kunden wissen ganz genau, was finanziell auf sie zukommt. Besonders junge Familien scheuen diese Investitionen“, sagt Stracke.

von Patrick Bockwinkel

Neue Westfälische, 19.04.2013

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